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Der Wasserbüffel hat keinen Fahrplan

Übergang 18.02.2026
(Aktualisiert am 22.02.2026 )
Leeres Bahnperron in Bangkok Foto Polina Kuzovkova bei Unsplash+

Ich sass im Zug von Bangkok nach Khon-Kaen in Thailand und genoss die mir am Fenster vorbeihuschende Landschaft. Nicht weit ausserhalb von Bangkok entdeckte ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Wasserbüffel, der sich mit Grünzeug gütlich tat. Ich war total aus dem Häuschen, ob dem Tier und meiner Entdeckung. Denn einen Wasserbüffel hatte ich noch nie gesehen.

Die Zugfahrt ging voran und ich bin bis heute begeistert von den anderen Bildern der dortigen Welt, die sich mir da aus dem Zugfenster eröffneten. Irgendwann musste ich ob mir selbst lachen, nämlich als mir aufging, dass je weiter ich mich von der Grossstadt entfernte, desto mehr Wasserbüffel ich erspähte. Doch der erste Wasserbüffel bleibt mir eine schöne Erinnerung.

Die Reise sollte 6 Stunden Zugfahrt dauern. Ich liess mich geistig treiben und genoss zufrieden einen längeren Moment. Das Neue, das Andere und einfach das Sein. Und wie es kommt, begann ich in der gemütlichen Dynamik der Zugfahrt über mein Leben und mich selbst nachzusinnieren. Es war ein Loslassen und doch war ich innerlich unruhig.

Das Ü50-Leben, wohin geht die Reise noch?

Auf mich bezogen, begannen dann die geschilderten und erlebten Momente Bestandsteile von Gedanken und Gefühlen zu werden, die mich so nicht mehr losliessen. Die Unruhe war erst recht da. Ich dachte immer wieder über mich und über mein Leben nach.

Denn ich begann mit der Zeit zu realisieren, vor allem in den Wochen nach der Rückkehr aus Thailand, dass ich für mich selbst im Leben festgeklebt bin, ganz allgemein betrachtet. Trotz meinen vielen Aus- und Weiterbildungen, trotz meinem guten Job bei einem tollen Arbeitgeber, trotz meinem Karriereweg, trotz meinen Erfahrungen und trotz meiner Familie stand ich wie auf dem Schlauch und ich bewegte mich im Leben kaum mehr. Im Prinzip bin ich in der Genussphase des Lebens, quasi mit guter Performance auf der Spur der Eisenbahn. Was will ich dann noch vom Leben? Und genau da ergreift die innere Unruhe mich. Diese Unruhe war mir der Auslöser für viele Fragen, die bis heute Antworten suchen, aber auch schon einige fanden. Verloren fühlte ich mich nicht, nur festgeklebt.

Ob es das Alter ist, das diese Standort- und Sinnfragen auslöst, eine plötzliche Torschluss-Panik im Leben etwas verpasst zu haben oder einem anderen Fakt geschuldet, das kann ich nicht wirklich sagen. Erstaunlich fand ich, dass ich im Prinzip mit meinem Lebens- und Berufsweg zufrieden bin und war. Und von Ferne betrachtet, sollte ich eigentlich glücklich sein. Es war auch keine depressive Stimmung oder eine Hormonschwankung, die es im Lebensweg gibt. Doch die Tatsache, dass meine Alterszahl bereits im vorderen Teil eine satte 5 zeigt, bringt aber eine andere Lebensausrichtung als diejenige mit Mitte 30 oder früher mit.

Der Blick ins Ungewisse 

Während der Zug tiefer in das grüne Landesinnere fuhr, dachte ich darüber nach, ob es denn auch anderen Menschen so ähnlich geht wie mir und wie sie herausfinden, was sie noch so im Leben wollen. Ich überlegte und durchsuchte via Handy das Internet nach Hilfsmitteln, Tools, Ideen und Gedanken, um Wege und Möglichkeiten zu entdecken, die mir vielleicht Hinweise liefern, was ich vom Leben (noch) wollte. Doch die vorbeiziehende Landschaft liess mich bald das Handy im Rucksack verstauen und mich einfach sinnierend mit-nehmen.

Bald stellte ich fest, dass ich für mich seit einer Menge Jahren in einem Dreieck dreier fachlicher Ausrichtungen feststeckte: Wirtschaft - Informatik - Mensch, immer wenn ich gerade ein Element pflegte, fand ich ein anderes spannend – und erstaunlicherweise war ich dort ebenfalls vernünftig gut. Ich bewegte mich also zwischen den drei Ausrichtungen hin und her. Und bin dennoch festgeklebt. Ähnlich wie ich im Zug sass und aus dem Fenster die Landschaft an mir vorbeitreiben sah, war mir mein Ziel nicht ganz klar und ich hatte keinen Schimmer an welcher der Stationen ich aussteigen wollte. Irgendwie ähnelt das der Freiheit des Wasserbüffels, er geht ohne Fahrplan dem Essen nach. 


This work is licensed under Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 International

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