Wandel geschieht im Kleinen.
Seit zwei Jahren baue ich diesen Blog Fokusfalter.ch mit dem Content Management-System Publii — einer Desktop-App, die mir eine statische Website ohne Datenbank, Plugins oder serverseitigen Code liefert. Ein gutes Setup. Trotzdem stelle ich es gerade infrage.
Content Management Systeme (CMS) sind Software, die einem für Websites bei der Erstellung und Verwaltung von Seiten, Grafiken und Struktur helfen.
Publii erstellt mir in seiner App eine fertig generierte und angepasste Website mit HTML für die Struktur mit Bildern und etwas Code in Javascript für Animationen. Dass dann bewusst kein ausführbarer Programm-Code, keine Plugins, keine Datenbank auf einem Webserver läuft, das ist das richtig starke Argument für statische Websites. Damit wird die Sicherheit und die Pflege der Website stark vereinfacht.
Neuer Ausblick bringt Umdenken
In den letzten Monaten überkommt mich mich manchmal die Typo-Korrektur-Muse, oder ich will einen Artikel updaten oder gar setzt die Schreiblust genau dann ein, wenn ich sicher nicht gerade da vor dem einen heimischen Mac sitze. In Hinblick eine oder zwei weitere Sites zu lancieren, hinterfrage ich meine heutigen Arbeitsschritte. Im Prinzip hätte ich gerne eine Art Publii auf dem WebServer und dazu wäre eine GUI noch ganz hilfreich.
Wenn ich schon was verändern will, dann soll die CMS Software bei meinem Hoster laufen. Da wird es sinnvoll schnell, für mich nachvollziehbar unkompliziert und, wenn ich mag, da wie dort erweiterbar. Das Webhosting, also dort wo die Website geladen wird, muss us Datenschutzgründen für mich ausschliesslich in der Schweiz sein.
Einen Nachteil bringe ich dadurch mit: Weil ich explizit auf die Dienste von Webhosting-Anbietern setzen will, das schränkt allerdings den Auswahlhorizont für CMS ein. Bei klassischen Webhostern stehen nämlich oft CMS-Software in der populären Programmiersprache PHP und mit einer Datenbank im Vordergrund (bsp. die CMS WordPress, Typo3, Drupal, u.v.m.). Das bedeutet, dass andere CMS auf Basis von der Programmiersprachen Nodejs, Go, Python oder Rust eher nur mit mehr Aufwand betrieben werden könnten, wenn dann überhaupt. Für diese CMS wäre dann eine virtuelle Maschine (VM), quasi ein virtueller Rechner, zwar das Ideale, aber ich will den Aufwand der Pflege und Wartung einer VM nicht mehr aufwenden.
CMS mit PHP in 2026?
Warum nicht ein Content Management System mit PHP? Was gibt es denn da im Netz, im Jahr 2026, wo die ganze Welt auf andere Sprachen setzt.
Ich meine schon die Zurufe der WordPress (WP) Community still zu hören, mit Tausenden von Plugins und Themes sind sie zur Stelle. Ja, ich habe Abende mit den WordPress Versionen 2, 3, 5 und 6 herumgewerkelt und das Businessmodell der soooo vielen Plugins (Erweiterungen) aktiv erlebt. In meinem Blogpost WordPress Webtool für die Welt schreibe ich über die Welt von WordPress. WP ist ok, aber nun für mich nicht mehr, zu sehr habe ich mich webtechnisch in den letzten Jahren verändert.
Auf der PHP Seite bleiben dennoch als Auswahl Hunderte an potentiellen Software. Zu den bekannteren PHP CMS nebst WordPress gehören sicherlich:
Weitere spannende Softwaren bieten auch diese CMS (Auswahl):
Die Auswahl zeigt sich umfassend und aus Freude am Web Tinkeren habe ich alle genannten in einem kleinen Funktionstest getestet. Beim Testen überfordern mich bald allerdings die so zahlreichen Funktionen, Einstellungen, Möglichkeiten und Varianten fast, denn ich bin kein Web Entwickler (WebDevs). Damit reduziert sich die Wahl.
ProcessWire wäre mein vom Vibe her mein Favorit, schlank, schnell, aber sehr vielschichtig. Das wäre sicherlich ideal für WebDevs auf PHP, denke ich, aber für meine Zwecke scheint es mir zu viel.
Das Kirby und Grav sind leicht und gehen in die Richtung Flatfile-CMS mit GUI, doch bei beiden umfasst der Auf- und Unterbau viel mehr als ich benötige. So jedenfalls mein Eindruck. CockpitCMS hingegen geht mit seiner Headless API-Basis mir einen noch unbekannten Weg. Typemill ist schlank und interessant, aber mir dann doch zu sehr Dokustruktur-fokussiert. Contao ist mir, ähnlich wie Backdrop, ConcreteCMS, Craft, Drupal und Statamic einfach zu umfangreich oder zu komplex für meine wirklich kleinen Vorhaben. Diese CMS sind sicherlich alle gut, doch wohin soll es nun gehen, was oder welches nun?
Blick auf Tools aus Europa
Zurück zu meinem Wunsche der Einfachheit schwenke ich auf Alternativen ein: Nämlich PHP-basierte CMS im Kleinformat sowie eher unbekanntere statische site Generatoren (SSG). Denn statische Websites können auch eine Alternative sein, das Wieso habe ich in meinen Blogpost Webauftritt statisch oder dynamisch beschrieben.
Werfe ich den Blick gezielt auf eine Handvoll einfacher Software aus Europa, verspricht mir das eine sinnvolle Berücksichtigung der rechtlichen Situation mit DSVGO/GDPR und bindet dabei relevante Themen wie Schriften-Einbindung, Web Analytics usw. ein. Das wäre bei vielen der obgenannten CMS gegeben. Fakt ist: Bei Publii ist das von vornerein dabei.
Automad Automad, deren Entwickler in der Regio Nordwestschweiz lebt, verbindet eine GUI mit Templating und wird gerade komplett mit der dann mal kommenden Automad Version 2 rundumerneuert. Herbie CMS stammt von Thomas aus dem nahen Laufental und zeigt sich PHP-stringent mit vielen unterstützten PSRs - beachtlich. Bei den PHP SSG Generatoren entdecke ich Cecil aus Frankreich oder auch das schwedische HydePHP für Laravel-Fans.
Tests am Tool
Das Testen vieler der genannten Website-CMS geschah via das komfortable Installhelferlein "Softaculous" bei meinem Hostinganbieter, wo eine gewünschte Software per ein Click-Installer innert kurzer Zeit installiert wird. Das macht so eine Testrunde mit erstem Eindruck fix möglich.
Tools wie Typemill oder die SSG habe ich dann auf der Hostsite via Webfrontend oder ssh installiert. Die Tests verliefen für mich in gemütlichem Tempo über Wochen und mit viel Entdeckergeist. Vereinzelte Tools zu Testen zeigt einem, wohin die Reise gehen soll. So bin ich von MariaDB-gestützten Applikationen bald bei Flatfile und schlussendlich bei SSGs gelandet.
Fazit: Ich habe mich für das französische SSG Cecil entschieden.
Cecil zeigt sich mir wie eine PHP-Variante des populären SSG Generatoren Hugo, der in der Go-Programmiersprache entstanden ist.
Auch wenn Cecil zwar nicht meiner ursprünglichen Idee mit etwas GUI entspricht, fühle ich mich rasch gewohnt. Mit einem klaren und sauberen Aufbau bietet mir Cecil viele Features und Optionen wie SEO, JSON-LD, Image-Resizing, Markdown mit Markdown-Extra Parsedown Unterstützung, die ich heute in einem statischen Generator laufen haben will. Das SSG erscheint mir gut durchdacht und recht sauber dokumentiert, was mir gerade die ersten Stunden sehr hilfreich erscheint. Da Cecil mit twig Templating für Vorlagen arbeitet, das erleichtert mir den Aufbaue eigener Themes, da ich twig von meiner längeren Webzeit mit Contao her kenne.
Also nun ist es doch fast wieder ein Publii, aber ohne GUI - das stimmt.
Doch der Clou für mich ist: Ich kanns auf dem Server beim Hoster als Site Generator laufen lassen. Logge mich via ssh ein, und einmal aufgebaut, kann ich da auf dem Server meine Texte als Markdown, die Bilder etc. zur Website ablegen und erstellen. Das ist richtig stark und schnell. Diese Website ist das Ergebnis davon.